Conversion-Rate im Online-Shop: berechnen und verbessern

Wie du die Conversion-Rate richtig berechnest, sie ohne Branchenmythen einordnest und mit zehn geprüften Hebeln verbesserst. Mit Rechenbeispiel und Checkliste.

Redaktion ecomando7 Min. Lesezeit
Inhalt
  1. So berechnest du die Conversion-Rate
  2. Was eine gute Conversion-Rate ist – und warum die Frage selten hilft
  3. Wo du aufteilen musst
  4. Den Trichter statt der Endzahl lesen
  5. Zehn Hebel, die die Conversion-Rate wirklich bewegen
  6. Checkliste: Conversion-Diagnose in 45 Minuten
  7. Rechenbeispiel: was eine Verbesserung wert ist
  8. Wann du nicht an der Conversion-Rate arbeiten solltest

Die Conversion-Rate ist die Kennzahl, über die am meisten geredet und am wenigsten sinnvoll entschieden wird. Der Grund: Als Gesamtwert über alle Kanäle, Geräte und Produkte ist sie ein Mischwert, der fast nie eine Handlung nahelegt. Dieser Artikel zeigt, wie du sie korrekt berechnest, wo du sie aufteilen musst, damit sie etwas aussagt, und welche Hebel sie in einem Shop tatsächlich bewegen.

So berechnest du die Conversion-Rate

Conversion-Rate = Bestellungen ÷ Sitzungen × 100

Beispiel: 40.000 Sitzungen und 800 Bestellungen in 30 Tagen ergeben eine Conversion-Rate von 2,0 %.

Drei Punkte entscheiden darüber, ob die Zahl brauchbar ist:

Sitzungen, nicht Nutzer. Ein Kunde, der dreimal vorbeischaut und einmal kauft, erzeugt drei Sitzungen und eine Bestellung. Rechnest du mit Nutzern statt Sitzungen, fällt der Wert höher aus. Beides ist zulässig, aber du darfst es nicht mischen – und in GA4 sind beide Varianten vorhanden.

Gleicher Zeitraum für Zähler und Nenner. Bestellungen aus dem Shop-Backend und Sitzungen aus GA4 für unterschiedliche Zeiträume oder Zeitzonen zu kombinieren, ist ein häufiger Fehler. Bei GA4 lohnt ein Blick in die Zeitzoneneinstellung der Property.

Eine Quelle festlegen. Der Shop kennt jede Bestellung, GA4 nur die getrackten. GA4-Zahlen liegen deshalb systematisch niedriger. Entscheide dich für eine Quelle als Wahrheit für den Trend und halte sie durch. Wenn die Lücke größer als etwa 10 % ist, hat das Tracking ein Problem, das du vor jeder Optimierung behebst – wie du das prüfst, steht in der Anleitung zur Kontrolle des GA4-E-Commerce-Trackings.

Was eine gute Conversion-Rate ist – und warum die Frage selten hilft

Über viele Shops hinweg liegen die Werte häufig zwischen 1 und 3 %. Diese Bandbreite ist ein Erfahrungswert, kein Ziel. Denn sie wird von Faktoren bestimmt, die du kurzfristig nicht ändern kannst:

  • Preisniveau. Ein Shop für 800-Euro-Fahrräder wird nie die Rate eines Shops für 12-Euro-Kaffee erreichen. Erklärungsbedürftige Käufe brauchen mehrere Besuche.
  • Anteil Markensuche. Wer über den eigenen Shopnamen kommt, will meistens kaufen. Ein Shop mit hohem Markenanteil hat allein deshalb bessere Zahlen.
  • Wiederkaufhäufigkeit. Verbrauchsartikel mit Stammkunden liegen strukturell höher als Einmalkäufe.
  • Traffic-Mix. Kalter Social-Traffic konvertiert regelmäßig schlechter als Suchanfragen mit Kaufabsicht. Mehr Reichweite aus einem schwach konvertierenden Kanal senkt den Gesamtwert, obwohl nichts kaputt ist.

Der praktisch nützliche Vergleich ist deshalb immer intern: dein Wert gegen den Vormonat, gegen den gleichen Monat im Vorjahr und – am wichtigsten – Segment gegen Segment.

Wo du aufteilen musst

Nimm dir die letzten 90 Tage und teile die Conversion-Rate nach diesen vier Dimensionen auf. Erfahrungsgemäß findest du in mindestens einer davon einen Ausreißer, der einen großen Teil des Potenzials erklärt.

DimensionWonach du suchst
GerätSmartphone gegen Desktop; eine große Lücke deutet auf Ladezeit oder Checkout-Bedienung hin
KanalMarkensuche, generische Suche, Ads, Social, E-Mail; welcher Kanal fällt aus dem Rahmen
LandingpageKategorieseiten gegen Produktseiten gegen Blog; wo landen viele Besucher ohne Kauf
Neu gegen wiederkehrendSinkt die Rate bei Neukunden, ist es ein Vertrauens- oder Erstkontaktproblem

Ein Beispiel für den Effekt: Wenn 60 % deiner Sitzungen mobil sind und dort die Rate bei 1,2 % statt 2,4 % liegt, steckt in dieser einen Zahl mehr Umsatz als in fünf neuen Kampagnen.

Den Trichter statt der Endzahl lesen

Die Conversion-Rate sagt nur, dass etwas fehlt – nicht wo. Dafür brauchst du die drei Zwischenschritte, die GA4 über die Standard-E-Commerce-Ereignisse liefert:

  1. Produktansicht (view_item) – kommen Besucher überhaupt auf Produkte?
  2. In den Warenkorb (add_to_cart) – überzeugt die Produktseite?
  3. Checkout gestartet (begin_checkout) – ist die Kaufabsicht da?
  4. Kauf (purchase) – hält der Checkout, was die Produktseite versprochen hat?

Beispiel: 20.000 Produktansichten, 1.800 Warenkörbe, 900 Checkout-Starts, 630 Käufe. Vom Warenkorb in den Checkout gehen nur die Hälfte – dort liegt das Thema, nicht auf der Produktseite.

Shopify zeigt eine vereinfachte Version dieser Aufteilung direkt in den eigenen Berichten. Unter Analytics und dort bei den Berichten findest du bei den Verhaltensberichten die Aufschlüsselung der Conversion-Rate: alle Sitzungen, Sitzungen mit Warenkorb-Hinzufügungen, Sitzungen, die den Checkout erreicht haben, und Sitzungen, die ihn abgeschlossen haben. Daneben gibt es die Conversion-Rate im Zeitverlauf. Für einen ersten Überblick genügt das oft; welche Berichte dort sonst noch stecken, zeigt der Leitfaden zu Shopify Analytics. Was du bei einem schwachen letzten Schritt konkret tust, steht im Artikel Warenkorbabbrüche reduzieren.

Zehn Hebel, die die Conversion-Rate wirklich bewegen

Sortiert nach Aufwand-Nutzen-Verhältnis, wie es sich in kleinen und mittleren Shops meistens darstellt.

1. Versandkosten und Lieferzeit früh zeigen

Der häufigste Abbruchgrund ist eine Überraschung im letzten Schritt. Nenne Versandkosten und realistische Lieferzeit auf der Produktseite, nicht erst im Checkout. Wenn du eine Gratisversand-Schwelle hast, zeig den fehlenden Betrag im Warenkorb an.

2. Gastbestellung erlauben

Ein Kontozwang vor dem ersten Kauf kostet Bestellungen. Biete das Konto nach der Bestellung an, nicht davor.

3. Zahlungsarten ergänzen

Fehlt die Zahlungsart, die deine Zielgruppe gewohnt ist, bricht sie ab. Im deutschsprachigen Raum sind Rechnung, PayPal und Kreditkarte die üblichen Erwartungen; welche bei dir zählt, siehst du an der Verteilung der bestehenden Bestellungen. Welche Zahlungsarten im Online-Shop sich für wen rechnen, vergleicht der Artikel dazu.

4. Ladezeit auf dem Handy

Langsame Seiten verlieren Besucher, bevor sie etwas sehen. Miss mit PageSpeed Insights und arbeite an den Core Web Vitals – vor allem LCP auf Produkt- und Kategorieseiten. Wie das im Shop-Kontext geht, steht im Artikel zu Core Web Vitals im Online-Shop. Offizielle Erklärungen der Messwerte findest du auf web.dev.

5. Produktbilder und Zoom

Mehrere Bilder, Detailaufnahmen, ein Größenvergleich, bei Kleidung Trageaufnahmen. Bilder ersetzen das Anfassen – zu wenige Bilder sind eine der häufigsten Ursachen für schwache Add-to-Cart-Raten.

6. Verfügbarkeit und Lagerstand

„Auf Lager, Versand heute“ wirkt stärker als jeder Rabatt. Umgekehrt: unklare Verfügbarkeit erzeugt Abbruch. Wenn etwas nicht lieferbar ist, nenne ein Datum.

7. Bewertungen auf der Produktseite

Echte Bewertungen mit Text, nicht nur Sterne. Auch gemischte Bewertungen helfen, weil sie glaubwürdig sind – eine Seite mit ausschließlich Fünf-Sterne-Wertungen wirkt weniger überzeugend als eine mit einem kritischen Kommentar dazwischen.

8. Suchfunktion und Filter

In Shops mit mehr als ein paar Dutzend Produkten ist die interne Suche ein Hauptweg zum Kauf. Schau dir an, wonach gesucht wird und was null Ergebnisse liefert – das ist eine Liste konkreter Aufgaben.

9. Kategorieseiten als Verkaufsseiten behandeln

Viele Besucher landen auf Kategorien, nicht auf Produkten. Eine Kategorieseite braucht eine verständliche Sortierung, sinnvolle Filter und einen kurzen erklärenden Text. Mehr dazu unter Kategorieseiten optimieren.

10. Die richtigen Besucher holen

Der unterschätzte Hebel: Ein Teil schwacher Conversion-Rates ist kein Shop-Problem, sondern ein Traffic-Problem. Suchbegriffe ohne Kaufabsicht und breit ausgesteuerte Kampagnen bringen Sitzungen, die nie kaufen wollten. Prüfe die Suchbegriffsberichte in Google Ads und schließe aus, was nicht passt.

Checkliste: Conversion-Diagnose in 45 Minuten

  1. Bestellungen aus GA4 mit dem Shop-Backend für 30 Tage vergleichen. Abweichung über 10 %? Erst Tracking beheben.
  2. Conversion-Rate für 90 Tage nach Gerät aufteilen. Lücke mobil zu Desktop notieren.
  3. Conversion-Rate nach Kanal aufteilen. Markensuche gesondert betrachten.
  4. Trichter ansehen: Produktansicht, Warenkorb, Checkout-Start, Kauf. Den größten Absprung markieren.
  5. Top-10-Landingpages nach Sitzungen listen, Conversion-Rate je Seite daneben.
  6. Den eigenen Checkout auf dem Handy als Neukunde durchlaufen. Jede Irritation notieren.
  7. Suchbegriffsbericht in Google Ads auf Begriffe ohne Kaufabsicht prüfen.
  8. Aus allem genau eine Maßnahme auswählen und umsetzen.
  9. Nach mindestens zwei Wochen oder einigen hundert Bestellungen messen.

Punkt 8 ist der wichtigste. Wenn du drei Dinge gleichzeitig änderst, weißt du hinterher nicht, welches gewirkt hat.

Rechenbeispiel: was eine Verbesserung wert ist

Ausgangslage: 40.000 Sitzungen, 2,0 % Conversion-Rate, 90 Euro Bestellwert – 800 Bestellungen, 72.000 Euro Umsatz im Monat.

Die Rate steigt auf 2,3 %: 920 Bestellungen, 82.800 Euro. Das sind 10.800 Euro mehr pro Monat, ohne einen zusätzlichen Besucher.

Im Vergleich: Für denselben Effekt über Traffic bräuchtest du 6.000 zusätzliche Sitzungen. Bei einem Klickpreis von 0,60 Euro wären das 3.600 Euro Werbekosten – jeden Monat erneut.

Genau deshalb steht die Conversion-Rate in der Prioritätenliste oft vor neuen Kanälen. Der zweite Hebel mit ähnlicher Wirkung ist der durchschnittliche Bestellwert, weil er auf dieselbe Weise wirkt: mehr Umsatz aus dem Traffic, den du schon hast.

Wann du nicht an der Conversion-Rate arbeiten solltest

Es gibt Situationen, in denen ein sinkender Wert kein Problem ist. Wenn du einen neuen Kanal aufbaust, breiter aussteuerst oder in der oberen Trichterphase Reichweite aufbaust, sinkt der Gesamtwert zwangsläufig. Solange der Umsatz je Sitzung über alle Kanäle stabil bleibt und der Deckungsbeitrag mitwächst, ist das die richtige Entwicklung. In ecomando siehst du beide Zahlen nebeneinander, damit der Zusammenhang nicht verloren geht.

Und: Bei sehr kleinen Datenmengen ist die Conversion-Rate schlicht nicht aussagekräftig. Bei 30 Bestellungen im Monat schwankt sie durch drei Bestellungen mehr oder weniger um ein Zehntel ihres Werts. Dann arbeite an offensichtlichen Fehlern statt an Feinheiten – und an Reichweite. Wie die Kennzahl in den Gesamtzusammenhang passt, zeigt der Überblick über die wichtigsten E-Commerce-Kennzahlen.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Conversion-Rate im Online-Shop?

Über viele Shops hinweg liegen die Werte häufig zwischen 1 und 3 %. Der Wert hängt aber stark von Preisniveau, Branche und Anteil der Markensuche ab, deshalb ist der Vergleich mit deinem eigenen Vormonat aussagekräftiger als jede Branchenzahl.

Wie berechnet man die Conversion-Rate?

Bestellungen geteilt durch Sitzungen, mal 100. Bei 800 Bestellungen und 40.000 Sitzungen ergibt das 2,0 %. Wichtig ist, dass Zähler und Nenner aus demselben Zeitraum und derselben Quelle stammen.

Warum zeigt GA4 eine andere Conversion-Rate als mein Shop?

GA4 zählt nur Sitzungen und Käufe, bei denen das Tracking ausgelöst hat, der Shop kennt jede Bestellung aus der Datenbank. Abweichungen von wenigen Prozent sind normal, größere Lücken deuten auf fehlende Ereignisse oder Consent-Verluste hin.

Wie lange muss ich einen Test laufen lassen?

Bis genug Bestellungen zusammengekommen sind, nicht bis genug Tage vergangen sind. Als Orientierung gelten mindestens ein paar hundert Bestellungen je Variante und zwei vollständige Wochen, damit Wochentagsmuster ausgeglichen werden.

Sollte ich die Conversion-Rate für Handy und Desktop getrennt messen?

Ja. Auf Smartphones ist sie in vielen Shops deutlich niedriger als auf Desktop-Geräten. Ein Gesamtwert versteckt genau die Stelle, an der meistens die größten Verluste entstehen.

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