Backlinks aufbauen für Online-Shops: 10 Wege ohne Spam
Zehn richtlinienkonforme Wege zu Backlinks für Shops, wie du dein Linkprofil prüfst und warum gekaufte Links und Linknetzwerke ein echtes Risiko sind.

Inhalt
Bei Backlinks laufen zwei Dinge nebeneinander: der Markt für gekaufte Links, der laut behauptet, das sei normal, und die Frage, wie ein Shop ohne PR-Abteilung tatsächlich erwähnt wird. Dieser Artikel behandelt das Zweite. Zehn Wege, die für kleine und mittlere Shops realistisch sind, dazu die Prüfung des eigenen Linkprofils und eine klare Einordnung des Risikos, das Linkkauf mitbringt.
Was ein guter Link ausmacht
Bevor es an die Wege geht, ein Maßstab. Ein Link ist wertvoll, wenn er drei Bedingungen erfüllt:
- Er wurde redaktionell gesetzt. Jemand hat entschieden, auf dich zu verweisen, weil es für die Leser nützlich ist.
- Er steht im Zusammenhang. Eine Seite zum Thema Outdoor verlinkt einen Outdoor-Shop. Ein Link aus einem Autoblog auf einen Rucksackshop hat kaum Bedeutung.
- Er kann tatsächlich Besucher bringen. Das ist der einfachste Test überhaupt: Würde jemand, der diese Seite liest, auf den Link klicken? Wenn nein, ist er auch für Google wenig wert.
Was dagegen nichts oder kaum etwas bringt: Massen-Webverzeichnisse, Forenprofile, Kommentarlinks, Footer-Links auf hundert fremden Seiten, Gastbeiträge in Netzwerken, die Gastbeiträge als Produkt verkaufen.
Und ein Hinweis zu den Kennzahlen: Werte wie Domain Rating oder Domain Authority kommen von Drittanbietern und sind Schätzungen. Google veröffentlicht keine solche Zahl. Nutze sie zum Sortieren, nicht als Wahrheit.
Zehn Wege, die für Shops funktionieren
1. Hersteller- und Händlerverzeichnisse
Der naheliegendste und am häufigsten übersehene Weg. Viele Marken, die du verkaufst, führen eine Händlerliste oder einen Händlerfinder auf ihrer Website. Diese Links sind thematisch perfekt und zu bekommen, indem du fragst.
Vorgehen: Liste alle Marken in deinem Sortiment auf. Prüfe je Marke, ob es eine Händlerseite gibt und ob du darin stehst. Wenn nicht, schreibe deinen Ansprechpartner im Vertrieb an – nicht das allgemeine Kontaktformular. Frage konkret nach einem Eintrag mit Link auf deine Markenkategorieseite.
2. Verbände, Kammern, Innungen
Wenn du Mitglied in einem Branchenverband, einer Handelskammer oder einem Einkaufsverbund bist, gibt es meist ein Mitgliederverzeichnis. Prüfe deinen Eintrag: Ist er vollständig, ist die URL richtig, ist es die aktuelle Domain? Bei Mitgliedschaften, die schon Jahre laufen, steht dort oft eine alte Adresse.
3. Lokale Erwähnungen
Auch ein reiner Online-Shop hat einen Standort. Stadt- und Regionalportale, die Seite der Gemeinde, Vereine, die du sponserst, Berufsschulen, mit denen du zusammenarbeitest, lokale Wirtschaftsförderung: Das sind echte Verbindungen, aus denen echte Links entstehen. Wer zusätzlich ein Ladengeschäft hat, sollte parallel den Local-SEO-Leitfaden abarbeiten – dort geht es um Sichtbarkeit in der Umgebung, die Linkseite ist ein Nebeneffekt.
4. Presse mit echtem Anlass
Pressearbeit funktioniert nicht mit Nachrichten wie „Shop erweitert Sortiment“. Sie funktioniert mit Anlässen: eine Übernahme, eine Auszeichnung, ein ungewöhnliches Produkt, eine Reparaturaktion, ein Umzug in ein größeres Lager, eine Kooperation mit einer Schule. Fachmedien deiner Branche sind dabei aussichtsreicher als überregionale Zeitungen und bringen thematisch passendere Links.
Praktisch: Eine kurze Mail an drei bis fünf Fachredaktionen mit dem Sachverhalt in fünf Sätzen, Bildmaterial und einer erreichbaren Telefonnummer schlägt jede Massenverteilung.
5. Eigene Daten
Du hast Zahlen, die niemand sonst hat: was in deinem Sortiment wann gekauft wird, welche Größen ausgehen, welche Reparaturen am häufigsten anfallen, wie sich Rückgabegründe verteilen. Daraus lässt sich eine Auswertung machen, die Fachmedien und Blogs zitieren, weil sie neu ist.
Wichtig: nur Aggregate, keine Kundendaten, und keine Zahl aufschreiben, die du nicht belegen kannst. Eine ehrliche, kleine Auswertung wird eher zitiert als eine große, die nach Marketing klingt.
6. Nützliche Werkzeuge und Ratgeber
Inhalte, die ein konkretes Problem lösen, werden verlinkt, weil sie jemandem Arbeit ersparen: ein Größenberater, eine Pflegeanleitung, eine Vergleichstabelle von Normen, eine Checkliste zum Ausdrucken, ein Rechner. Solche Seiten bekommen Links über Jahre, ohne dass du weiter etwas tust. Sie brauchen dafür allerdings eine Qualität, die über einen Blogartikel hinausgeht.
7. Ersetzte und fehlende Links
Zwei verwandte Methoden:
- Erwähnungen ohne Link. Wenn eine Seite deinen Shop oder deine Marke nennt, aber nicht verlinkt, kostet eine freundliche Mail zwei Minuten. Erwähnungen findest du über eine Suche nach deinem Markennamen.
- Tote Links. Wenn ein Anbieter aus deiner Branche schließt und Seiten verschwinden, zeigen viele Verweise ins Leere. Wenn du einen passenden Ersatzinhalt hast, kannst du ihn dem Seitenbetreiber anbieten. Nur mit echtem Ersatz, nicht mit einer Produktkategorie als Alibi.
8. Kooperationen mit Partnern
Lieferanten, Hersteller, andere Händler mit ergänzendem Sortiment, Werkstätten, Kursanbieter. Ein gemeinsames Projekt – ein Leitfaden, eine Veranstaltung, ein Gewinnspiel mit klaren Regeln – erzeugt auf beiden Seiten Inhalte und Links.
Die Grenze: Ein reiner Linktausch nach dem Muster „ich verlinke dich, du verlinkst mich“ in größerem Umfang gilt als Linkschema. Einzelne gegenseitige Links zwischen Partnern, die wirklich zusammenarbeiten, sind dagegen normal.
9. Fachbeiträge, wo du wirklich etwas weißt
Ein Gastbeitrag in einem Fachmedium deiner Branche ist legitim, wenn er inhaltlich getragen ist und du tatsächlich Fachwissen einbringst. Er ist es nicht, wenn er hauptsächlich existiert, um einen Link zu setzen, oder über ein Portal gekauft wird, das Gastbeiträge als Dienstleistung verkauft. Der Unterschied ist an der Frage erkennbar: Würdest du den Beitrag auch ohne Link schreiben?
10. Produkttests, richtig gekennzeichnet
Fachmedien und Menschen mit Reichweite testen Produkte. Das ist ein guter Weg zu Aufmerksamkeit – mit einer Regel, die ausdrücklich in den Google-Spam-Richtlinien steht. Dort wird als Beispiel für Linkkauf genannt: jemandem ein Produkt zu schicken, damit er darüber schreibt und dabei verlinkt. Genauso aufgeführt sind der Tausch von Geld gegen Links und der Tausch von Waren oder Dienstleistungen gegen Links.
Der Ausweg steht im selben Abschnitt: Google hält bezahlte Links und Sponsoring für einen normalen Teil des Webs – solange der Link mit rel="sponsored" oder rel="nofollow" gekennzeichnet ist. Für Werbung und Sponsoring nennt Google genau diese zwei Werte; rel="ugc" ist für nutzergenerierte Inhalte wie Kommentare und Forenbeiträge gedacht, nicht für bezahlte Platzierungen. Mehrere Werte lassen sich kombinieren, getrennt durch Leerzeichen oder Komma. Das ist kein Kleingedrucktes, sondern der Unterschied zwischen einer sauberen Kooperation und einem Richtlinienverstoß.
Zwei weitere Fälle aus derselben Liste, die Shops betreffen: Advertorials und native Werbung, bei denen für Artikel mit Links bezahlt wird, die Rankingsignale weitergeben – und Verträge oder Nutzungsbedingungen, die einen Link verlangen, ohne dem Seitenbetreiber die Kennzeichnung freizustellen.
Und das ist in Ordnung: Ein gekennzeichneter Link aus einem gelesenen Testbericht bringt Besucher und Bekanntheit. Nur eben nicht als Rankingsignal.
Warum Linkkauf ein schlechtes Geschäft ist
Die Angebote sind überall: Pakete mit Links aus „starken Magazinen“, Miete pro Monat, Netzwerke mit hunderten Websites. Die Argumente dagegen sind nicht moralisch, sondern praktisch.
Es ist ein Richtlinienverstoß. Der Kauf und Verkauf von Links, die Rankingsignale weitergeben, steht ausdrücklich in den Google-Spam-Richtlinien unter Link-Spam. Das gilt für Geld, aber auch für Waren, Dienstleistungen oder kostenlose Produkte ohne Kennzeichnung.
Die Folgen treffen dich, nicht den Verkäufer. Im günstigen Fall werden die Links entwertet und dein Geld war verschwendet. Im ungünstigen Fall bekommst du eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links in die Search Console, die du dann mühsam aufarbeiten musst: Links entfernen lassen, dokumentieren, Wiederaufnahme beantragen.
Du baust eine Altlast auf. Gemietete Links verschwinden, sobald du nicht mehr zahlst. Ein Netzwerk, das heute funktioniert, kann in zwei Jahren als Muster erkennbar sein. Beides sind Risiken, die bleiben.
Die Muster sind erkennbar. Ein Shop, der in wenigen Wochen hundert Links mit exakt passendem Ankertext aus unverbundenen Websites bekommt, sieht nicht wie ein gewachsenes Profil aus.
Der praktische Rat: Wenn dir jemand Links für Geld ohne Kennzeichnung anbietet, ist das Angebot per Definition ein Richtlinienverstoß. Wenn eine Agentur die Frage nach der Kennzeichnung ausweicht, ist das die Antwort.
Das eigene Linkprofil prüfen
Ein Überblick über den Bestand, bevor du Neues aufbaust.
- Search Console öffnen, Bericht Links. Du siehst die häufigsten verweisenden Domains, die am häufigsten verlinkten Seiten deines Shops und die häufigsten Ankertexte. Die Liste ist eine Auswahl, keine Vollständigkeit.
- Verweisende Domains durchsehen. Notiere: Woher kommt der Großteil? Sind es Branchenseiten und Hersteller oder Verzeichnisse und Foren?
- Ankertexte prüfen. Ein gesundes Profil enthält vor allem den Markennamen und die Domain, dazu beschreibende Texte. Wenn ein kommerzieller Suchbegriff mit exakter Formulierung dominiert, deutet das auf gekaufte oder selbst gesetzte Links hin – auch aus der Vorgeschichte des Shops.
- Verlinkte Seiten prüfen. Meist ist es die Startseite. Wenn wichtige Kategorieseiten keine externen Links haben, kannst du das intern ausgleichen; wie, steht im Artikel zur internen Verlinkung im Shop.
- Stichproben öffnen. Sieh dir zehn verweisende Seiten tatsächlich an. Ist es eine echte Seite mit Lesern oder eine Textwüste mit Links in alle Richtungen?
- Wettbewerber vergleichen. Nicht um Zahlen zu übertreffen, sondern um Ideen zu finden: Auf welchen Verbandsseiten, in welchen Fachmedien und Vergleichsportalen stehen sie, du aber nicht? Das Vorgehen dazu beschreibt der Artikel zur Wettbewerbsanalyse für Online-Shops.
- Nur im Ausnahmefall aufräumen. Google formuliert die Voraussetzungen für das Disavow-Werkzeug eng, und zwar als Und-Bedingung: Es muss eine erhebliche Zahl minderwertiger oder künstlicher Links auf deine Seite geben, und diese Links müssen eine manuelle Maßnahme ausgelöst haben oder voraussichtlich auslösen. Beides zusammen – sonst lass es. In der Google-Hilfe steht dazu, dass Google in den meisten Fällen ohne zusätzliche Hinweise einschätzen kann, welchen Links es traut, die meisten Websites das Werkzeug also nicht brauchen. Google bezeichnet es ausdrücklich als Funktion für Fortgeschrittene, die bei falschem Einsatz der eigenen Sichtbarkeit schaden kann. Vor dem Disavow steht ohnehin der Versuch, die Links tatsächlich entfernen zu lassen. Ein praktischer Hinweis noch: Für Domain-Properties wird das Werkzeug nicht unterstützt.
Ein Hinweis zur Messung: Links wirken langsam und lassen sich nicht einzeln einer Rankingveränderung zuordnen. Beobachte stattdessen die Entwicklung der Positionen deiner Zielseiten über Monate – wie du das sauber aufsetzt, steht im Artikel zum Prüfen des Google-Rankings.
Checkliste: Linkaufbau in der Praxis
| Schritt | Aufwand | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Händlerverzeichnisse aller Marken prüfen | halber Tag | sofort, höchste Trefferquote |
| Verbands- und Kammereinträge aktualisieren | 1 bis 2 Stunden | sofort |
| Erwähnungen ohne Link anschreiben | laufend, wenige Minuten je Fall | sobald eine Erwähnung auffällt |
| Lokale Verbindungen abklopfen | ein Tag | einmal gründlich, danach bei Anlass |
| Anlass für Pressearbeit sammeln | laufend | wenn wirklich etwas passiert |
| Eigene Datenauswertung | mehrere Tage | einmal pro Jahr, mit Substanz |
| Ratgeber oder Werkzeug bauen | Projekt | wenn Kapazität da ist |
| Kooperation mit Partnern | variabel | bei bestehender Zusammenarbeit |
Und die drei Dinge, die du nicht tun solltest: Linkpakete kaufen, Links mieten, Gastbeiträge in Netzwerken bestellen, die Gastbeiträge verkaufen.
Backlinks sind der Teil von SEO mit dem schlechtesten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung – und trotzdem reden alle darüber. Für die meisten Shops liegt mehr Potenzial in Kategorieseiten, Produktdaten und Technik. Wenn du unsicher bist, wo du stehst, arbeite zuerst den Leitfaden zu SEO für Online-Shops durch und komm danach zu den Links zurück.
Häufige Fragen
Was ist ein Backlink?
Ein Backlink ist ein Link von einer anderen Website auf deine. Suchmaschinen nutzen solche Links als einen von vielen Hinweisen darauf, dass eine Seite empfehlenswert ist. Entscheidend ist, ob der Link redaktionell gesetzt wurde, nicht wie viele es sind.
Sind gekaufte Backlinks verboten?
Der Kauf von Links, die Rankingsignale weitergeben, verstößt gegen die Google-Spam-Richtlinien. Bezahlte Links müssen mit rel gleich sponsored oder nofollow gekennzeichnet werden. Ohne Kennzeichnung riskiert die Seite, dass Links entwertet werden oder eine manuelle Maßnahme folgt.
Wie viele Backlinks braucht ein Online-Shop?
Es gibt keine sinnvolle Zielzahl. Ein Shop mit zwanzig echten Erwähnungen aus seiner Branche steht besser da als einer mit tausend Links aus Verzeichnissen und Foren. Orientiere dich am Profil vergleichbarer Wettbewerber, nicht an einer Menge.
Wo sehe ich meine Backlinks kostenlos?
In der Google Search Console unter Links findest du verweisende Domains, die häufigsten Ankertexte und die am meisten verlinkten Seiten. Die Liste ist eine Auswahl, kein vollständiges Verzeichnis, reicht für einen Überblick aber aus.
Muss ich schlechte Backlinks entfernen lassen?
In den meisten Fällen nicht. Google schreibt selbst, dass es ohne zusätzliche Hinweise einschätzen kann, welchen Links es traut, und dass die meisten Websites das Disavow-Werkzeug nicht brauchen. Nötig wird es erst, wenn eine erhebliche Zahl künstlicher Links auf deine Seite zeigt und diese eine manuelle Maßnahme ausgelöst hat oder voraussichtlich auslöst.


