Backlinks prüfen: schlechte Links erkennen, richtig reagieren

So prüfst du dein Backlink-Profil mit der Search Console, erkennst Spam-Links und Muster gekaufter Links und entscheidest, wann Disavow wirklich nötig ist.

Redaktion ecomando8 Min. Lesezeit
Inhalt
  1. Was Google zu schlechten Links sagt
  2. Bestand aufnehmen: der Bericht Links
  3. Schritt für Schritt: das Profil prüfen
  4. Muster erkennen: harmlos, verdächtig, gefährlich
  5. Reagieren in drei Stufen
  6. Fall manuelle Maßnahme: der Ablauf
  7. Verlorene Links: die Prüfung mit dem größten Nutzen
  8. Laufend beobachten
  9. Checkliste: Backlink-Prüfung

Irgendwann meldet ein Tool „toxische Links“, eine Agentur bietet eine „Backlink-Bereinigung“ an, oder du findest in der Search Console hundert verweisende Domains, von denen du nie gehört hast. Die Frage ist dann nicht, wie du neue Links bekommst, sondern ob die vorhandenen ein Problem sind. Dieser Artikel zeigt, wie du dein Backlink-Profil mit der Search Console prüfst, welche Muster wirklich auf Ärger hindeuten, wann Ignorieren die richtige Reaktion ist und wann Entfernen oder Disavow. Wie du legitime Links aufbaust, steht im Artikel zu Backlinks für Online-Shops aufbauen; hier geht es um die Prüfung des Bestands.

Zwei Aussagen von Google bilden den Rahmen für alles Weitere.

Erstens: In der Hilfe zum Disavow-Tool steht, dass Google in den meisten Fällen ohne zusätzliche Hinweise einschätzen kann, welchen Links es traut, und dass die meisten Websites das Werkzeug nicht brauchen. Spam-Links, die du nicht veranlasst hast, werden in der Regel schlicht nicht gewertet.

Zweitens: Die Spam-Richtlinien beschreiben unter Link-Spam, was Google als Manipulation ansieht: gekaufte oder verkaufte Links, die Rankingsignale weitergeben, übermäßiger Linktausch, automatisiert erzeugte Links, Links aus minderwertigen Verzeichnissen, Footer- und Widget-Links über viele Seiten, optimierte Links in Forenbeiträgen und Kommentaren. Wer so etwas selbst veranlasst hat, riskiert eine manuelle Maßnahme.

Daraus folgt die Grundregel der Prüfung: Fremder Spam ist selten dein Problem. Dein eigener Linkaufbau der Vergangenheit, auch der einer früheren Agentur, kann es sein.

Die Search Console ist der Ausgangspunkt, weil sie zeigt, was Google tatsächlich kennt. Öffne den Bericht Links. Er hat drei Tabellen für externe Links:

  • Am häufigsten verlinkte Seiten: welche URLs deines Shops die meisten Links bekommen. Bei Shops fast immer die Startseite, dann einzelne Kategorien oder Ratgeber.
  • Top-verweisende Websites: welche Domains am häufigsten auf dich zeigen, mit Anzahl der Links und Anzahl der verlinkten Zielseiten.
  • Top-verweisender Text: mit welchen Wörtern verlinkt wird.

Rechts oben exportierst du die Daten, wahlweise als „Neueste Links“ oder „Weitere Beispiel-Links“, mit bis zu 100.000 Zeilen; einzelne Detailtabellen im Bericht zeigen jeweils höchstens 1.000 Zeilen. Google weist ausdrücklich darauf hin, dass der Bericht eine Auswahl ist, kein vollständiges Verzeichnis. Für eine Prüfung reicht das aus; für eine vollständige Liste bräuchtest du ein Drittanbieter-Tool.

Zu Drittanbieter-Tools ein Hinweis: Sie kennen oft mehr Links als die Search Console zeigt, und sie berechnen Werte wie Domain Rating, Trust Flow oder Spam Score. Diese Werte sind Schätzungen der Anbieter. Google veröffentlicht nichts Vergleichbares. Nutze sie zum Sortieren, nicht als Urteil. Ein hoher Spam Score allein ist kein Grund zu handeln.

Schritt für Schritt: das Profil prüfen

  1. Export ziehen. Search Console, Bericht Links, „Top-verweisende Websites“ exportieren. Zusätzlich „Neueste Links“, um Veränderungen zu sehen.
  2. Domains grob sortieren. Gehe die Liste der verweisenden Domains durch und ordne jede in eine von vier Gruppen: bekannt und gewollt (Hersteller, Verbände, Presse, Partner), harmlos-unbedeutend (Verzeichnisse, Scraper, Aggregatoren), verdächtig (siehe Muster unten), unbekannt. Bei mehreren hundert Domains reichen die hundert mit den meisten Links plus alle neuen.
  3. Linktexte prüfen. Ein natürliches Profil besteht vor allem aus Markenname, Domain, „hier“, „Website“ und beschreibenden Formulierungen. Wenn ein kommerzieller Suchbegriff wie „Wanderschuhe kaufen“ in exakter Form häufig vorkommt, hat das jemand so eingerichtet. Das ist das deutlichste Signal für alten Linkaufbau.
  4. Verlinkte Seiten prüfen. Zeigen viele Links auf Seiten, die es nicht mehr gibt? Dann laufen sie ins Leere und du verschenkst sie. Dazu weiter unten mehr.
  5. Zeitverlauf ansehen. In „Neueste Links“ siehst du, was zuletzt dazukam. Ein plötzlicher Schub von dutzenden Domains ohne Anlass, etwa ohne Presseberichte oder Kampagne, ist auffällig. Meist ist es Scraper-Spam und harmlos; manchmal ist es ein Angriff, den du ebenfalls meist ignorieren kannst.
  6. Stichproben öffnen. Öffne zehn bis zwanzig verweisende Seiten aus der Gruppe „verdächtig“ und „unbekannt“. Frage: Ist das eine echte Seite mit Lesern? Steht der Link in einem Text, der Sinn ergibt? Oder ist es eine Linkliste, ein Footer, ein Kommentar?
  7. Ergebnis festhalten. Eine Tabelle: Domain, Gruppe, Zahl der Links, Linktext, Befund, Entscheidung (ignorieren, entfernen lassen, ablehnen). Diese Tabelle brauchst du, falls es je zu einer manuellen Maßnahme kommt, und beim nächsten Durchgang.

Die Berichte der Search Console im Überblick erklärt die Anleitung zur Google Search Console.

Muster erkennen: harmlos, verdächtig, gefährlich

Was du siehstWahrscheinliche UrsacheReaktion
Dutzende ausländische Domains mit sinnlosen Seiten, die deine Inhalte oder Produktnamen wiederholenScraper und automatische AggregatorenIgnorieren. Google wertet solche Links nicht
Links aus allgemeinen Webverzeichnissen, Firmenlisten, BewertungsportalenAutomatische Einträge oder frühere VerzeichniseinträgeIgnorieren. Bei falschen Firmendaten Eintrag korrigieren, nicht wegen des Links
Links aus Foren und Blog-Kommentaren mit deinem MarkennamenKunden oder ErwähnungenIgnorieren, das ist normal
Viele Links mit exakt gleichem kommerziellem Linktext von unverbundenen SeitenGekaufte Links oder Linkaufbau einer früheren AgenturHerkunft klären, Entfernung anfragen, dokumentieren
Links aus Footern oder Seitenleisten auf hunderten Seiten eines NetzwerksNetzwerk-Links, oft gemietetHerkunft klären; laufende Zahlungen stoppen; Entfernung anfragen
Gastbeiträge auf Seiten, die über jedes Thema schreiben, mit Link im TextGekaufte GastbeiträgeWie oben
Plötzlicher Anstieg auf tausende Links in wenigen Tagen mit seltsamen LinktextenSpam-Angriff oder Bot-NetzBeobachten, meist ignorieren; nur bei manueller Maßnahme handeln
Links von gehackten Seiten mit fremden ThemenKompromittierte WebsitesIgnorieren; du kannst nichts dafür
Links auf URLs deines Shops, die 404 liefernUmzüge, gelöschte ProdukteWeiterleitung einrichten, siehe unten

Die entscheidende Unterscheidung steht in der Spalte Ursache: Hast du oder jemand in deinem Auftrag den Link veranlasst? Wenn ja, ist das Risiko real. Wenn nein, wird der Link fast immer einfach nicht gewertet.

Reagieren in drei Stufen

Stufe 1: Ignorieren

Das ist die richtige Antwort für den größten Teil der Liste. Fremder Spam, Verzeichnisse, Scraper, gehackte Seiten. Du brauchst keine Bereinigung zu kaufen, und du brauchst keine Disavow-Datei mit tausend Zeilen. Notiere die Entscheidung und geh weiter.

Stufe 2: Entfernen lassen

Wenn du Links findest, die du selbst oder eine frühere Agentur gegen die Richtlinien aufgebaut hat, ist der erste Schritt, sie entfernen zu lassen. Google verlangt diesen Versuch ohnehin vor einem Disavow.

  • Laufende Verträge für gemietete Links kündigen.
  • Seitenbetreiber anschreiben, freundlich und kurz: Link entfernen oder mit rel="nofollow" beziehungsweise rel="sponsored" kennzeichnen.
  • Datum, Empfänger und Ergebnis je Anfrage in der Tabelle festhalten.

Rechne damit, dass viele Anfragen unbeantwortet bleiben. Das ist in Ordnung; die Dokumentation zählt.

Stufe 3: Disavow

Google formuliert die Voraussetzung als Und-Bedingung, und beide Teile müssen erfüllt sein:

  1. Eine erhebliche Zahl minderwertiger, künstlicher oder spamartiger Links zeigt auf deine Seite, und
  2. diese Links haben eine manuelle Maßnahme ausgelöst oder werden sie voraussichtlich auslösen.

Trifft nur der erste Punkt zu, ist Disavow nicht vorgesehen. Google nennt das Werkzeug ausdrücklich eine Funktion für Fortgeschrittene, die bei falschem Einsatz der eigenen Sichtbarkeit schaden kann.

Wenn beide Punkte zutreffen, so geht es:

  • Eine Textdatei (.txt, UTF-8 oder 7-Bit-ASCII) mit einer URL oder Domain je Zeile. Ganze Domains mit dem Präfix domain:, also domain:beispiel-linkfarm.com. Einzelne Verzeichnisse lassen sich nicht ablehnen, nur vollständige URLs oder ganze Domains. Kommentare beginnen mit #.
  • Höchstens 100.000 Zeilen (Kommentare und Leerzeilen mitgerechnet), 2 MB Dateigröße und 2.048 Zeichen je URL.
  • Das Werkzeug unterstützt laut Google keine Domain-Properties; du brauchst eine Property mit URL-Präfix.
  • Wirkung erst nach einigen Wochen, wenn Google die betroffenen Seiten erneut gecrawlt und verarbeitet hat.

Ein Grundsatz, der aus der Und-Bedingung folgt: Wer keine manuelle Maßnahme hat und keinen eigenen Linkaufbau in der Vergangenheit, hat keinen Grund für eine Disavow-Datei.

Fall manuelle Maßnahme: der Ablauf

Ob Google eine manuelle Maßnahme verhängt hat, siehst du in der Search Console im Bericht Manuelle Maßnahmen. Steht dort „Unnatürliche Links zu Ihrer Website“, empfiehlt Google diesen Weg:

  1. Links identifizieren. Bericht Links exportieren, mit den verweisenden Websites und den neuesten Links beginnen.
  2. Entfernung anfragen. Seitenbetreiber kontaktieren, Link entfernen oder mit nofollow kennzeichnen lassen. Google spricht von einem ernsthaften Versuch, nicht von einer Erfolgsquote.
  3. Rest ablehnen. Was sich nicht entfernen lässt, kommt in die Disavow-Datei.
  4. Antrag auf erneute Überprüfung. Im Bericht Manuelle Maßnahmen stellen, mit einer knappen, ehrlichen Beschreibung: Was war die Ursache, was wurde entfernt, was abgelehnt, wie wird es künftig verhindert. Die Tabelle aus deiner Prüfung ist hier die Grundlage.
  5. Warten. Die Prüfung dauert laut Google mehrere Tage bis Wochen.

Ohne manuelle Maßnahme gibt es keinen Antrag auf Überprüfung und in der Regel auch nichts zu bereinigen. Ein Rankingverlust ohne Eintrag im Bericht hat fast immer andere Ursachen; wie du sie systematisch eingrenzt, steht im Artikel zu verlorenen Rankings und ihren Ursachen.

Der wertvollste Teil der Backlink-Prüfung hat mit Spam nichts zu tun. Es sind gute Links, die ins Leere laufen.

Jeder Shop verliert Seiten: Produkte werden gelöscht, Kategorien umbenannt, Ratgeber verschoben, URLs beim Systemwechsel geändert. Externe Links auf diese Seiten bleiben stehen und führen auf einen 404. Das Signal verpufft.

So findest du sie: Im Bericht Links unter „Am häufigsten verlinkte Seiten“ die Liste durchgehen und jede URL kurz aufrufen, mindestens die ersten hundert. Alternativ die exportierte Liste mit einem Crawler auf Statuscodes prüfen. Jede URL mit 404 und externen Links bekommt eine Weiterleitung auf das nächstliegende Pendant: Nachfolgeprodukt, Kategorie, passender Ratgeber. Nicht pauschal auf die Startseite. Wie du mit gelöschten Produkten grundsätzlich umgehst, steht im Artikel zu ausverkauften und gelöschten Produkten.

Zweiter Fall: Ein wertvoller Link ist verschwunden, weil die verlinkende Seite geändert wurde. Bei Herstellerseiten, Verbänden und Partnern lohnt eine kurze Nachfrage. Bei Presseartikeln, die archiviert wurden, nicht.

Laufend beobachten

Eine gründliche Prüfung reicht einmal im Jahr. Dazwischen genügt ein monatlicher Blick auf zwei Dinge: Welche Domains sind neu dazugekommen, und welche sind weggefallen? Neue Domains prüfst du auf die Muster oben, verlorene darauf, ob sie wertvoll waren und ob deine Zielseite noch existiert.

In ecomando zeigt der Bereich Backlinks die verweisenden Domains mit neuen und verlorenen Domains seit der letzten Prüfung und markiert Domains mit hohem Spam-Wert. Der Spam-Wert kommt von einem Drittanbieter und ist wie alle solchen Werte eine Schätzung, also ein Hinweis zum Nachsehen, kein Grund zum Ablehnen.

Wer zusätzlich wissen will, wo Wettbewerber Links haben und der eigene Shop nicht, findet das Vorgehen im Artikel zur Wettbewerbsanalyse für Online-Shops.

  • Bericht Links exportiert: meistverlinkende Websites, neueste Links, meistverlinkte Seiten
  • Verweisende Domains in vier Gruppen sortiert: gewollt, harmlos, verdächtig, unbekannt
  • Linktexte auf exakte kommerzielle Begriffe geprüft
  • Zeitverlauf auf Anstiege ohne Anlass geprüft
  • Zehn bis zwanzig Stichproben aus verdächtigen und unbekannten Domains geöffnet
  • Bericht Manuelle Maßnahmen geprüft
  • Eigener Linkaufbau der Vergangenheit geklärt, laufende Linkmieten gekündigt
  • Verlinkte URLs mit 404 gefunden und weitergeleitet
  • Entscheidung je Domain dokumentiert: ignorieren, entfernen lassen, ablehnen
  • Disavow nur bei erfüllter Und-Bedingung, und erst nach Entfernungsversuchen
  • Termin für die nächste Kurzprüfung in einem Monat

Die meisten Backlink-Prüfungen enden mit dem Ergebnis, dass nichts zu tun ist außer ein paar Weiterleitungen. Das ist kein enttäuschendes Ergebnis, sondern das normale. Die Zeit, die du nicht in eine „Bereinigung“ steckst, gehört in Kategorieseiten, Produktdaten und Technik.

Häufige Fragen

Wo sehe ich, wer auf meinen Shop verlinkt?

In der Google Search Console im Bericht Links: verweisende Websites, am häufigsten verlinkte Seiten und Linktexte. Der Bericht ist eine Stichprobe, keine vollständige Liste, reicht aber für die Prüfung. Drittanbieter-Tools zeigen mehr Links, deren Bewertungen wie Domain Rating oder Spam Score sind aber Schätzungen.

Schaden mir Spam-Links, die ich nicht selbst gesetzt habe?

In der Regel nicht. Google schreibt, dass es in den meisten Fällen ohne zusätzliche Hinweise einschätzen kann, welchen Links es traut. Verzeichnisse, Scraper-Seiten und ausländische Spam-Domains, die ohne dein Zutun auf dich verlinken, kannst du normalerweise ignorieren.

Wann sollte ich Links über das Disavow-Tool ablehnen?

Nur wenn beides zutrifft: Eine erhebliche Zahl künstlicher oder gekaufter Links zeigt auf deine Seite, und diese Links haben eine manuelle Maßnahme ausgelöst oder werden sie voraussichtlich auslösen. Google bezeichnet das Werkzeug als Funktion für Fortgeschrittene, die bei falschem Einsatz schaden kann.

Wie erkenne ich gekaufte Links aus der Vergangenheit meines Shops?

An Mustern: viele Links mit exakt gleichem kommerziellem Linktext, Links aus Footern oder Blogrolls unverbundener Seiten, Gastbeiträge auf Seiten, die zu jedem Thema schreiben, und ein Anstieg verweisender Domains in wenigen Wochen ohne Anlass. Oft stammen sie von einer früheren Agentur.

Was tue ich bei einer manuellen Maßnahme wegen unnatürlicher Links?

Betroffene Links identifizieren, Seitenbetreiber um Entfernung oder ein nofollow-Attribut bitten, nicht entfernbare Links per Disavow-Datei ablehnen, alles dokumentieren und dann im Bericht zu manuellen Maßnahmen einen Antrag auf erneute Überprüfung stellen. Die Prüfung durch Google dauert Tage bis Wochen.

Weiterlesen