Warenkorb-Erinnerung per E-Mail: Timing, Inhalt, Messung

Wann die Erinnerungsmail nach dem Warenkorbabbruch rausgeht, was hineingehört, wie Shopify abgebrochene Bezahlvorgänge behandelt und wie du den Effekt misst.

Redaktion ecomando8 Min. Lesezeit
Inhalt
  1. Voraussetzung: Adresse und Einwilligung
  2. Warenkorb-Abbruch und Checkout-Abbruch sind zwei Dinge
  3. Timing: drei Mails, klare Abstände
  4. Inhalt: was in die Mail gehört
  5. Messung: hat die Mail Bestellungen gebracht?
  6. Checkliste vor dem Einschalten
  7. Fehler, die du vermeiden solltest

Ein Besucher legt drei Produkte in den Warenkorb, gibt im Checkout seine Adresse ein und verschwindet. Die Erinnerungsmail ist das günstigste Werkzeug, um einen Teil dieser fast fertigen Bestellungen zurückzuholen. Sie ersetzt aber nicht die Ursachenanalyse: Warum Besucher abbrechen und wie du den Checkout reparierst, steht im Artikel Warenkorbabbrüche reduzieren. Die bezahlte Wiederansprache über Google Ads und Meta behandelt der Leitfaden zum Remarketing. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Mail selbst: wer sie bekommen kann, wann sie rausgeht, was hineingehört und wie du misst, ob sie Geld bringt.

Voraussetzung: Adresse und Einwilligung

Eine E-Mail braucht eine Adresse. Das klingt banal, begrenzt aber die Reichweite jeder Erinnerungsmail stark. Erreichen kannst du:

  • Eingeloggte Kunden. Der Shop kennt die Adresse aus dem Konto.
  • Besucher, die im Checkout die Adresse eingegeben haben. Das ist der häufigste Fall und der, den Shopify als abgebrochenen Bezahlvorgang erfasst.
  • Newsletter-Abonnenten, die aus einer Mail geklickt haben. Viele E-Mail-Tools setzen beim Klick einen Cookie und ordnen spätere Warenkörbe der Adresse zu.

Alle anderen, also Gastbesucher, die den Warenkorb füllen und vor dem Checkout gehen, bleiben anonym. Für sie gibt es nur die bezahlte Wiederansprache. Rechne deshalb nicht mit „allen Abbrechern“, sondern mit dem Anteil, dessen Adresse du hast. Der ist bei Shops mit vielen Gastbestellungen oft klein. Wie du Gastbestellung und Marketing-Einwilligung im Shopify-Checkout einstellst, steht unter Shopify-Checkout anpassen.

Dazu kommt die Frage, ob du an diese Adresse eine Erinnerung schicken darfst. Eine Adresse, die für den Bestellvorgang eingegeben wurde, ist nicht automatisch eine Einwilligung in Werbemails. Wie du das für deinen Shop handhabst, welcher Hinweis im Checkout stehen muss und ob der Cookie zur Wiedererkennung einwilligungspflichtig ist, klärst du mit deinem Datenschutzbeauftragten oder Anwalt, bevor du die Automation einschaltest. Dieser Artikel gibt dazu keinen Rechtsrat.

Warenkorb-Abbruch und Checkout-Abbruch sind zwei Dinge

Die Begriffe werden vermischt, bezeichnen aber unterschiedliche Stellen im Kaufprozess:

Warenkorb-AbbruchCheckout-Abbruch
WoProdukt im Warenkorb, Checkout nicht begonnenCheckout begonnen, Adresse oder Zahlung nicht abgeschlossen
Adresse bekanntNur bei eingeloggten Kunden oder erkannten AbonnentenMeist ja, sobald das E-Mail-Feld ausgefüllt ist
GA4-Ereignisseadd_to_cart ohne begin_checkoutbegin_checkout ohne purchase
Erinnerung möglichNur an bekannte KontakteAn alle mit eingegebener Adresse

Wo genau die meisten Besucher aussteigen, zeigt dir eine Trichteranalyse, wie sie der Artikel zum Kaufprozess-Trichter in GA4 beschreibt. Für die Erinnerungsmail ist fast immer der Checkout-Abbruch der relevante Fall.

Wie Shopify abgebrochene Bezahlvorgänge behandelt

Shopify führt eine eigene Liste abgebrochener Bezahlvorgänge im Bereich Bestellungen. Ein Checkout landet dort, wenn der Kunde seine E-Mail-Adresse eingegeben hat und die Bestellung mehr als zehn Minuten lang nicht abgeschlossen wurde. Gibt der Kunde stattdessen eine Telefonnummer an, kann keine Erinnerungsmail verschickt werden.

Die automatische Erinnerung richtest du über die Marketing-Automatisierungen ein. Dort legst du fest, welche Besucher die Mail bekommen und wie lange nach dem Abbruch sie rausgeht. Shopify verschickt die Mail in bestimmten Fällen nicht, etwa wenn der Kauf vorher doch abgeschlossen wurde, bei einem Fehler in der Zahlungsverarbeitung, wenn kein Versand an die Adresse möglich ist, wenn der Checkout nur kostenlose Produkte enthält oder wenn Shopify Payments die Zahlung wegen Betrugsverdacht blockiert hat. Nach dem Versand siehst du in der Liste den Wiederherstellungsstatus; er wechselt auf „wiederhergestellt“, sobald der Kunde die Bestellung abschließt. Die Details stehen in der Shopify-Hilfe zu abgebrochenen Bezahlvorgängen.

Für den Wortlaut der Mail und das Design nutzt du entweder die Shopify-Vorlage oder ein angebundenes E-Mail-Tool, das den Checkout-Link übernimmt. Wichtig ist, dass nur eines von beiden aktiv ist. Zwei Erinnerungen von zwei Systemen zur gleichen Zeit sind der häufigste Fehler nach der Einführung eines neuen Tools.

Bei Lightspeed eCom hängt es von der Version ab, ob eine eingebaute Funktion für verlassene Warenkörbe existiert oder eine App aus dem Marktplatz nötig ist. Prüfe das im Hilfecenter für deine Version, bevor du planst.

Timing: drei Mails, klare Abstände

MailZeitpunkt nach AbbruchZweckAnreiz
11 bis 4 StundenErinnern, Weg zurück zeigenNein
2Etwa 24 StundenEinwände ausräumen, Hilfe anbietenNein
3 (optional)3 bis 5 TageLetzter Hinweis, Bestand oder PreisHöchstens für Erstbesteller, als Test

Drei Überlegungen zum Zeitpunkt:

  1. Kaufzyklus. Bei Verbrauchsgütern und Zubehör ist die Entscheidung nach einem Tag gefallen, spätere Mails bringen wenig. Bei Möbeln oder Technik darf die dritte Mail auch nach einer Woche kommen.
  2. Versandschluss. Wenn du bis 14 Uhr am selben Tag versendest, ist eine Erinnerung um 12 Uhr mit dem Hinweis „heute bestellt, morgen da“ stärker als dieselbe Mail um 16 Uhr.
  3. Nachtruhe. Ein Abbruch um 23 Uhr braucht keine Mail um 1 Uhr. Viele Tools lassen ein Versandfenster einstellen; nutze es.

Wer mit einer Mail startet, nimmt die erste. Wer merkt, dass die zweite kaum noch Bestellungen bringt, streicht die dritte.

Inhalt: was in die Mail gehört

Die Erinnerungsmail ist keine Werbemail. Sie beantwortet eine Frage, die der Kunde sich selbst gestellt hat: „Wollte ich das nicht kaufen?“

Mail 1: die Erinnerung

  • Betreff, der den Inhalt nennt: „Dein Warenkorb wartet: Wollhandschuhe, Größe M“
  • Die Produkte mit Bild, Name, Variante, Preis. Nicht mehr als drei; bei größeren Warenkörben „und zwei weitere Artikel“.
  • Ein Button, der den Warenkorb wiederherstellt. Der Kunde darf nicht neu suchen müssen.
  • Ein Satz zu Versand und Rückgabe.
  • Absender mit Namen, Antworten möglich.

Mail 2: die Einwände

  • Betreff mit Hilfsangebot: „Noch Fragen zu deiner Bestellung?“
  • Die drei häufigsten Gründe, warum bei dir abgebrochen wird, kurz beantwortet: Versandkosten, Lieferzeit, Bezahlarten, Rückgabe. Woher du diese Gründe kennst, steht im Artikel über Warenkorbabbrüche; wie du Versandkosten so kommunizierst, dass sie im Checkout nicht überraschen, im Artikel zu Versandkosten im Shop.
  • Kontaktmöglichkeit: Telefonnummer, Chat, Antwort auf die Mail.
  • Dieselben Produkte, derselbe Button.

Mail 3: der letzte Hinweis

  • Ein sachlicher Grund, warum jetzt: Bestand knapp (nur wenn es stimmt), Preis ändert sich, Aktion endet.
  • Optional ein Anreiz, siehe unten.
  • Danach Schluss. Eine vierte Mail ist Belästigung.

Rabatt: ja oder nein?

Der Rabatt in der Erinnerungsmail ist die teuerste Gewohnheit im E-Mail-Marketing. Er wirkt sofort, die Wiederherstellungsrate steigt, und ein paar Wochen später lassen Stammkunden den Warenkorb absichtlich stehen. Deshalb:

  • Kein Rabatt in Mail 1 und 2.
  • Wenn überhaupt, dann in Mail 3 und nur für Adressen ohne frühere Bestellung.
  • Als Test mit Kontrollgruppe, nicht als Dauerregel.
  • Lieber Versandkostenfreiheit ab Schwelle als Prozent auf alles; das schützt die Marge und erhöht den Bestellwert.

Messung: hat die Mail Bestellungen gebracht?

Drei Kennzahlen, aufsteigend nach Ehrlichkeit:

  1. Wiederherstellungsrate. Bestellungen nach Klick aus der Mail geteilt durch gesendete Mails. Dein E-Mail-Tool oder die Shopify-Liste zeigt sie. Die Zahl überschätzt den Effekt, weil ein Teil dieser Kunden auch ohne Mail zurückgekommen wäre.
  2. Umsatz je gesendeter Mail. Erlaubt den Vergleich zwischen Mail 1, 2 und 3 und zeigt, ab wann eine weitere Mail nichts mehr bringt.
  3. Effekt gegen Kontrollgruppe. Ein Teil der Abbrecher, etwa jeder Zehnte, bekommt keine Mail. Nach vier bis acht Wochen vergleichst du die Kaufquote beider Gruppen. Der Unterschied ist der echte Beitrag der Mail. Viele E-Mail-Tools haben dafür eine Einstellung, sonst reicht eine Zufallsregel im Ablauf.

Beispiel: 600 Erinnerungen in einem Monat, 54 Bestellungen nach Klick, 3.780 Euro Umsatz. Wiederherstellungsrate 9 Prozent, 6,30 Euro je Mail. In der Kontrollgruppe von 70 Abbrechern haben 4 trotzdem bestellt, also knapp 6 Prozent. Der echte Effekt der Mail liegt damit näher an 3 als an 9 Prozentpunkten. Das ist immer noch gutes Geld für eine Automation, aber weniger, als das Tool anzeigt.

In GA4 erkennst du die Mails, wenn die Links UTM-Parameter tragen, etwa utm_source=newsletter, utm_medium=email, utm_campaign=warenkorb, utm_content=mail-01. Dann steht der Umsatz im Kanal E-Mail neben den anderen Kanälen; in ecomando siehst du ihn im Modul Traffic unter Kanäle. GA4 zählt nach letztem Klick, das E-Mail-Tool oft großzügiger. Wähle eine Quelle für den Trend. Welche Kennzahlen bei E-Mails darüber hinaus zählen und warum du die Öffnungsrate ignorieren kannst, steht im Artikel zu Newsletter-Kennzahlen.

Beobachte außerdem Abmeldungen und Spam-Beschwerden aus der Erinnerungsserie. Steigen sie, ist die dritte Mail zu viel oder der Ton zu drängend.

Checkliste vor dem Einschalten

  • Rechtsgrundlage und Hinweistext im Checkout mit Datenschutzbeauftragtem oder Anwalt geklärt
  • Nur ein System verschickt Erinnerungen (Shopsystem oder E-Mail-Tool, nicht beide)
  • Mail 1 nach 1 bis 4 Stunden, Mail 2 nach etwa 24 Stunden, Mail 3 optional
  • Versandfenster gesetzt, keine Mails nachts
  • Betreff nennt Produkt oder Warenkorb, kein Rätsel
  • Button stellt den Warenkorb wieder her, mit Testbestellung geprüft
  • Versand, Lieferzeit, Rückgabe in Mail 1 oder 2 genannt
  • Kein Rabatt in Mail 1 und 2
  • Serie stoppt bei Kauf; Testkauf zwischen Mail 1 und 2 gemacht
  • UTM-Parameter je Mail gesetzt
  • Kontrollgruppe eingerichtet oder Startdatum notiert für den Vorher-nachher-Vergleich
  • Abmeldelink in jeder Mail

Fehler, die du vermeiden solltest

  • Erinnerung an Käufer. Serie stoppt nicht bei Kauf, Kunde bekommt eine Erinnerung für eine bezahlte Bestellung. Prüfe die Abbruchbedingung mit einem Testkauf.
  • Warenkorb-Link statt Checkout-Link. Der Kunde landet auf einem leeren Warenkorb, weil die Sitzung abgelaufen ist. Der Link muss den Warenkorb wiederherstellen.
  • Falsche Bestandsangabe. „Nur noch 2 verfügbar“ bei 400 Stück im Lager fällt auf und kostet Vertrauen. Solche Hinweise nur aus echten Lagerdaten.
  • Fünf Mails. Drei sind die Obergrenze. Wer nach drei Mails nicht kauft, wollte nicht.
  • Erinnerung als Ursachenreparatur. Wenn zwei Drittel der Besucher wegen unerwarteter Versandkosten abbrechen, bringt die Mail einen kleinen Teil zurück. Die Versandkosten früher zu zeigen bringt mehr. Was im Checkout selbst zu tun ist, steht im Artikel zur Checkout-Optimierung.

Die Warenkorb-Erinnerung ist eine Automation, die nach einem Nachmittag Einrichtung dauerhaft Bestellungen zurückholt. Sie wirkt aber nur auf die Besucher, deren Adresse du hast, und sie wirkt weniger, als das Tool dir anzeigt. Wer beides einrechnet, setzt sie richtig ein: als Ergänzung zu einem Checkout, der den Abbruch gar nicht erst auslöst.

Häufige Fragen

Wann sollte die Warenkorb-Erinnerung per E-Mail verschickt werden?

Die erste Erinnerung geht meist ein bis vier Stunden nach dem Abbruch raus, solange die Kaufabsicht frisch ist. Eine zweite folgt nach etwa 24 Stunden, eine optionale dritte nach drei bis fünf Tagen. Bei Produkten mit langer Entscheidung darf der Abstand größer sein, bei Verbrauchsgütern kleiner.

Wen erreicht eine Warenkorb-Erinnerung überhaupt?

Nur Besucher, deren E-Mail-Adresse dein Shop kennt: eingeloggte Kunden, Besucher, die im Checkout ihre Adresse eingegeben haben, oder Newsletter-Abonnenten, die das Tool über einen Klick aus einer Mail wiedererkennt. Anonyme Gastbesucher, die den Warenkorb vor dem Checkout verlassen, bekommen keine Mail.

Wie funktioniert die Erinnerung bei abgebrochenen Bezahlvorgängen in Shopify?

Shopify zählt einen Checkout als abgebrochen, wenn der Kunde seine E-Mail-Adresse eingegeben, aber die Bestellung länger als zehn Minuten nicht abgeschlossen hat. Die Liste steht unter Bestellungen bei den abgebrochenen Bezahlvorgängen. Die automatische Erinnerungsmail richtest du über die Marketing-Automatisierungen ein und legst dort Empfänger und Zeitpunkt fest.

Soll die Warenkorb-Erinnerung einen Rabatt enthalten?

In der ersten Mail nicht. Sie soll erinnern, nicht bezahlen. Sonst lernen Kunden, den Warenkorb absichtlich stehen zu lassen und auf den Gutschein zu warten. Wenn du einen Anreiz testen willst, dann erst in der letzten Mail und nur für Besucher ohne frühere Bestellung.

Wie messe ich, ob die Warenkorb-Erinnerung wirkt?

Zähle die Bestellungen, die nach einem Klick aus der Erinnerung abgeschlossen wurden, im Verhältnis zu den gesendeten Mails, und rechne den Umsatz je gesendeter Mail. Ehrlicher wird die Zahl mit einer Kontrollgruppe, die keine Mail bekommt: Der Unterschied zwischen beiden Gruppen ist der echte Effekt.

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