Newsletter-Kennzahlen: Öffnungsrate, Klickrate, Umsatz je Mail

Welche Newsletter-Kennzahlen zählen, warum die Öffnungsrate seit Apple Mail Privacy Protection wenig taugt und wie du Umsatz je Empfänger und Abmeldungen misst.

Redaktion ecomando8 Min. Lesezeit
Inhalt
  1. Die Kennzahlen im Überblick
  2. Öffnungsrate: warum sie kaum noch trägt
  3. Klickrate richtig lesen
  4. Umsatz je Empfänger: die Zahl für Entscheidungen
  5. Abmelderate und Beschwerden
  6. Kennzahlen je Mailtyp
  7. Schritt für Schritt: das Monatsreporting auf einer Seite
  8. Fehler beim Lesen der Zahlen

Dein E-Mail-Tool zeigt nach jedem Versand ein Dutzend Zahlen, und die größte davon ist die Öffnungsrate. Sie ist gleichzeitig die unzuverlässigste. Dieser Artikel sortiert die Newsletter-Kennzahlen nach dem, was sie für einen Shop wirklich aussagen: welche Zahl du für welche Entscheidung brauchst, warum die Öffnungsrate seit einigen Jahren kaum noch trägt, wie du Umsatz je Empfänger rechnest und wie ein monatliches Reporting aussieht, das auf eine Seite passt. Den Aufbau des Kanals selbst behandelt der Leitfaden zum E-Mail-Marketing für Online-Shops.

Die Kennzahlen im Überblick

KennzahlFormelWas sie beantwortetFallen
ZustellrateZugestellt ÷ gesendetKommen die Mails an?Zählt nur harte Ablehnungen; Spam-Ordner gilt als zugestellt
ÖffnungsrateGemessene Öffnungen ÷ zugestelltGrober Trend, ZustellproblemeDurch Bildvorabladung und Bildblocker in beide Richtungen verzerrt
KlickrateEmpfänger mit Klick ÷ zugestelltHat der Inhalt zum Handeln bewegt?Sicherheitsscanner in Firmenpostfächern können Klicks erzeugen
Click-to-Open-RateKlicker ÷ ÖffnerWie gut war der Inhalt für die, die ihn sahen?Erbt die Fehler der Öffnungsrate
Conversion-RateBestellungen ÷ zugestelltWie viele Empfänger haben gekauft?Attributionsfenster des Tools bestimmt die Zahl
Umsatz je EmpfängerZugeordneter Umsatz ÷ zugestelltWas ist eine Mail an die Liste wert?Wie Conversion-Rate; Vergleich nur innerhalb desselben Tools
AbmelderateAbmeldungen ÷ zugestelltVergrault die Mail Empfänger?Einzelwerte klein; Trend über mehrere Mails lesen
Spam-BeschwerdenBeschwerden ÷ zugestelltDroht ein Zustellproblem?Nur ein Teil der Postfachanbieter meldet zurück
Bounce-RateUnzustellbar ÷ gesendetIst die Liste sauber?Harte und weiche Bounces trennen
ListenwachstumNeue minus Abgänge im MonatWächst die Liste netto?Ohne Bereinigung inaktiver Adressen schön gerechnet

Wenn du nur drei Zahlen verfolgen willst: Klickrate, Umsatz je Empfänger, Abmelderate. Alles andere ist Diagnose für den Fall, dass eine der drei kippt.

Öffnungsrate: warum sie kaum noch trägt

Eine Öffnung wird gemessen, indem die Mail ein winziges, unsichtbares Bild enthält. Lädt das Mailprogramm das Bild vom Server des Versenders, zählt das als Öffnung. Das Verfahren hat zwei gegenläufige Fehler.

Zu viele Öffnungen. Apple hat mit iOS 15 und macOS Monterey im Jahr 2021 die Funktion Mail Privacy Protection eingeführt. Ist sie aktiviert, lädt Apple Mail die Bilder einer Mail vorab über eigene Server, unabhängig davon, ob der Empfänger die Mail überhaupt ansieht, und verbirgt dabei die IP-Adresse. Für den Versender sieht jede zugestellte Mail an einen solchen Empfänger geöffnet aus. Bei Listen mit vielen Privatkunden ist der Anteil an Apple-Mail-Nutzern erheblich, und die Öffnungsrate steigt seit der Einführung bei vielen Versendern, ohne dass mehr Menschen lesen.

Zu wenige Öffnungen. Viele Mailprogramme, vor allem in Unternehmen und bei Outlook-Nutzern mit Standardeinstellungen, laden Bilder erst nach Klick. Wer die Mail liest, aber die Bilder nicht nachlädt, erzeugt keine Öffnung.

Was bleibt, ist ein grober Trend innerhalb derselben Liste: Fällt die Öffnungsrate von einer Woche auf die nächste um die Hälfte, ist wahrscheinlich etwas mit der Zustellung passiert, nicht mit dem Betreff. Für Betreff-Tests, Segmentierung nach „Öffnern“ oder Vergleiche mit fremden Benchmarks ist die Zahl nicht mehr geeignet. Wer Betreffzeilen testen will, misst Klicks.

Ein Hinweis zur Automation: Viele Tools bieten Abläufe wie „wenn nicht geöffnet, dann erneut senden“. Diese Regel schickt Empfängern mit Bildblocker die Mail doppelt und lässt Apple-Nutzer, die nie gelesen haben, in Ruhe. Baue solche Regeln auf Klicks.

Klickrate richtig lesen

Die Klickrate ist die erste Kennzahl, die einen echten Handlungsschritt misst. Drei Regeln:

  1. Auf Empfänger rechnen, nicht auf Öffner. Klicker geteilt durch zugestellte Mails. Die Click-to-Open-Rate sieht schöner aus, erbt aber den Fehler der Öffnungsrate.
  2. Eindeutige Klicker zählen, nicht Klicks. Ein Empfänger, der fünfmal klickt, ist ein Interessent, nicht fünf.
  3. Klicks je Link ansehen. Die meisten Tools zeigen eine Übersicht, welcher Link wie oft geklickt wurde. Dort siehst du, ob der Hauptbutton oder das Logo geklickt wird, und ob der dritte Produktblock überhaupt noch jemanden erreicht.

Eine Verzerrung gibt es auch hier: Sicherheitssoftware in Unternehmenspostfächern ruft Links vor der Zustellung auf, um sie zu prüfen. Das kann als Klick zählen. Bei Listen mit vielen Firmenadressen fallen einzelne Mails mit auffällig gleichmäßigen Klicks auf alle Links auf; die meisten Tools filtern das inzwischen teilweise.

Umsatz je Empfänger: die Zahl für Entscheidungen

Klicks sind Interesse, Umsatz ist Ergebnis. Der Umsatz je Empfänger macht Mails mit unterschiedlicher Empfängerzahl vergleichbar und ist die Kennzahl, mit der du über Frequenz, Segmente und Inhalte entscheidest.

Beispiel: Ein Newsletter geht an 8.000 Empfänger, das Tool ordnet ihm 96 Bestellungen mit 6.240 Euro zu. Umsatz je Empfänger: 0,78 Euro. Eine Woche später geht eine Mail nur an das Segment der Käufer der letzten 90 Tage, 2.100 Empfänger, 41 Bestellungen, 2.870 Euro. Umsatz je Empfänger: 1,37 Euro. Das Segment ist fast doppelt so wertvoll je Mail, obwohl der Gesamtumsatz kleiner ist.

Die Zahl hängt vom Attributionsfenster deines Tools ab: Zählt es Käufe innerhalb von drei, fünf oder sieben Tagen nach einem Klick? Zählt es auch Käufe nach einer gemessenen Öffnung ohne Klick? Letzteres solltest du abschalten, wenn möglich, denn dann rechnet Apples Vorabladung dir Umsatz zu, der nichts mit der Mail zu tun hat. Vergleiche Umsatz je Empfänger immer nur innerhalb desselben Tools mit denselben Einstellungen.

GA4 und Shopify zeigen andere Zahlen

Dein E-Mail-Tool und GA4 werden beim Newsletter-Umsatz nie übereinstimmen. Das Tool schreibt sich Käufe nach Klick innerhalb seines Fensters gut. GA4 ordnet den Kauf standardmäßig nach dem letzten Klick zu, der nicht direkt war; wer aus der Mail klickt, geht und zwei Tage später über eine Google-Suche kauft, zählt in GA4 für die organische Suche. Shopify Analytics wiederum bewertet nach eigenen Regeln.

Damit GA4 den Kanal überhaupt erkennt, brauchen alle Links UTM-Parameter mit festen Werten, etwa utm_source=newsletter und utm_medium=email. Fehlen sie, landet der Newsletter-Traffic bei den Zugriffen ohne Zuordnung. Die Konvention steht im Artikel zu UTM-Parametern für Shops, die Kanalgruppen in GA4 erklärt der Artikel zur Analyse der Traffic-Quellen. In ecomando siehst du den Kanal E-Mail mit Sitzungen und Umsatz im Modul Traffic neben den anderen Kanälen.

Praktische Regel: Das E-Mail-Tool nutzt du für den Vergleich zwischen Mails. GA4 nutzt du für den Anteil des Kanals am Gesamtumsatz. Beide Zahlen nebeneinander zu addieren oder gegeneinander zu „korrigieren“ bringt nichts.

Abmelderate und Beschwerden

Die Abmelderate je Mail ist klein und schwankt. Lies sie über mehrere Versendungen und achte auf zwei Muster:

  • Einzelne Mail mit Ausreißer. Der Inhalt hat nicht zur Erwartung gepasst, etwa ein reiner Rabatt-Newsletter an eine Liste, die für Anleitungen angemeldet hat.
  • Steigender Trend. Frequenz zu hoch oder Segmente fehlen. Wer jede Mail an alle schickt, verliert Abonnenten, die nur einen Teil interessiert.

Spam-Beschwerden sind ernster als Abmeldungen. Wer sich abmeldet, ist weg. Wer auf „Spam“ klickt, schadet der Zustellung an alle anderen. Google und Yahoo verlangen von Versendern größerer Mengen seit 2024 unter anderem eine Authentifizierung der Absenderdomain über SPF, DKIM und DMARC sowie eine Ein-Klick-Abmeldung im Kopf der Mail; Google nennt in seinen Absenderrichtlinien außerdem Obergrenzen für die Spam-Rate, die du in den Postmaster Tools für deine Domain prüfen kannst. Die technische Einrichtung übernimmt dein E-Mail-Tool zusammen mit deinem Domain-Anbieter; prüfe einmal, ob sie vollständig ist.

Ein sichtbarer, funktionierender Abmeldelink senkt die Beschwerden. Wer die Abmeldung sucht und nicht findet, klickt auf „Spam“.

Kennzahlen je Mailtyp

Nicht jede Mail wird an derselben Zahl gemessen.

MailtypFührende KennzahlErgänzendNicht relevant
Regulärer NewsletterUmsatz je EmpfängerKlickrate, AbmelderateÖffnungsrate
WillkommensserieAnteil Käufer innerhalb 30 Tagen nach AnmeldungKlickrate je Mail, Abbruch der SerieUmsatz je einzelner Mail
Warenkorb-ErinnerungEffekt gegen KontrollgruppeWiederherstellungsrate, Umsatz je MailKlickrate allein
Reaktivierung inaktiver KundenAnteil Empfänger mit Kauf innerhalb 60 TagenAbmelderate, BouncesÖffnungsrate
Transaktionsmails (Bestellung, Versand)ZustellrateKlicks auf SendungsverfolgungUmsatz

Wie die Willkommensserie aufgebaut wird und woran du sie misst, steht im Artikel zur Willkommensserie per E-Mail; die Kontrollgruppe für die Erinnerungsmail erklärt der Artikel zur Warenkorb-Erinnerung. Für die Reaktivierung gilt eine eigene Logik, weil die Liste dort absichtlich aus Empfängern besteht, die lange nicht reagiert haben; dazu mehr unter inaktive Kunden reaktivieren.

Schritt für Schritt: das Monatsreporting auf einer Seite

  1. Tabelle anlegen mit einer Zeile je Versendung. Spalten: Datum, Mailtyp, Segment, zugestellt, Klickrate, Bestellungen, Umsatz, Umsatz je Empfänger, Abmeldungen, Beschwerden.
  2. Zahlen aus dem E-Mail-Tool übertragen, spätestens sieben Tage nach Versand, damit das Attributionsfenster geschlossen ist.
  3. Kanalumsatz aus GA4 ergänzen: Sitzungen, Schlüsselereignis Kauf und Umsatz des Kanals E-Mail im Monat, als eigene Zeile unter der Tabelle. Nicht mit den Zeilen darüber addieren.
  4. Listenstand notieren: aktive Empfänger am Monatsende, neue Anmeldungen, Abmeldungen, Bounces. Wie du die Anmeldungen steigerst, steht im Artikel Newsletter-Anmeldungen steigern.
  5. Drei Fragen beantworten: Welche Mail hatte den höchsten Umsatz je Empfänger, und warum? Welche die höchste Abmelderate, und warum? Ist der Kanalanteil am Shop-Umsatz gestiegen oder gefallen?
  6. Eine Änderung für den nächsten Monat ableiten. Nicht fünf.

Nach drei Monaten hast du eigene Vergleichswerte. Die sind mehr wert als jede Branchenübersicht, weil sie deine Liste, dein Sortiment und dein Tool abbilden.

Fehler beim Lesen der Zahlen

  • Öffnungsrate als Erfolgsmaß. Sie steigt, weil mehr Empfänger Apple Mail nutzen, nicht weil die Mails besser sind.
  • Fremde Benchmarks. Branchenwerte stammen aus anderen Tools, anderen Listen und anderen Attributionsfenstern. Vergleiche dich mit deinem Vormonat.
  • Umsatz aus Tool und GA4 addieren. Doppelt gezählt.
  • Gesamtumsatz statt Umsatz je Empfänger. Die Mail an alle gewinnt immer, auch wenn sie je Empfänger die schlechteste war.
  • Nur die Kampagne, nicht die Automationen. Willkommensserie und Erinnerungsmails laufen im Hintergrund und bringen oft einen großen Teil des E-Mail-Umsatzes. Sie gehören ins Reporting.
  • Abmeldungen ignorieren, weil die Zahl klein ist. Zwei Prozent im Monat sind nach einem Jahr ein Fünftel der Liste.

Newsletter-Kennzahlen sind einfach, wenn du die richtige Reihenfolge einhältst: erst Zustellung, dann Klick, dann Umsatz je Empfänger, dann Abmeldungen. Die Öffnungsrate steht in dieser Reihe nicht mehr. Wer sie aus dem Reporting streicht, verliert nichts und gewinnt Klarheit.

Häufige Fragen

Welche Newsletter-Kennzahlen sind für einen Online-Shop wichtig?

Die drei Zahlen, die Entscheidungen tragen, sind Klickrate, Umsatz je Empfänger und Abmelderate. Dazu kommen Zustellrate und Spam-Beschwerden als Frühwarnung für Zustellprobleme. Die Öffnungsrate ist seit Apples Mail Privacy Protection nur noch als grober Trend brauchbar.

Warum ist die Öffnungsrate im Newsletter nicht mehr zuverlässig?

Öffnungen werden über ein unsichtbares Bild gemessen, das beim Anzeigen der Mail geladen wird. Apple Mail lädt diese Bilder seit 2021 mit aktivierter Mail Privacy Protection vorab über eigene Server, auch wenn niemand die Mail liest. Andere Programme blockieren Bilder und melden gar keine Öffnung. Die Zahl ist dadurch in beide Richtungen verzerrt.

Wie berechnet man den Umsatz je Empfänger?

Umsatz, den das E-Mail-Tool einer Mail zuordnet, geteilt durch die Zahl der zugestellten Empfänger. Beispiel: 6.240 Euro Umsatz bei 8.000 Empfängern ergeben 0,78 Euro je Empfänger. Die Zahl macht Mails mit unterschiedlicher Empfängerzahl vergleichbar.

Was ist der Unterschied zwischen Klickrate und Click-to-Open-Rate?

Die Klickrate teilt die Klicker durch alle zugestellten Empfänger. Die Click-to-Open-Rate teilt die Klicker durch die Öffner und soll zeigen, wie gut der Inhalt bei denen ankam, die die Mail gesehen haben. Weil die Öffnungen unzuverlässig gemessen werden, ist auch die Click-to-Open-Rate unzuverlässig; nutze die Klickrate.

Warum zeigt GA4 weniger Newsletter-Umsatz als mein E-Mail-Tool?

Das E-Mail-Tool schreibt sich meist jeden Kauf gut, der innerhalb einiger Tage nach einem Klick stattfindet. GA4 ordnet den Kauf dem letzten Klick vor dem Kauf zu; wer aus der Mail klickt und später über Google kauft, zählt dort für Google. Beide Zahlen sind richtig, sie beantworten nur verschiedene Fragen.

Weiterlesen