Saisonales Marketing im Online-Shop: Jahresplan mit Terminen

Jahreskalender für Shops: alle Anlässe von Januar bis Dezember mit Vorlauf und Kanälen, dazu Budget, Keywords, Landingpages und Auswertung nach der Saison.

Redaktion ecomando8 Min. Lesezeit
Inhalt
  1. Warum ein Jahresplan und kein Aktionismus
  2. Der Jahreskalender für Online-Shops
  3. So findest du die Saison deines eigenen Shops
  4. Vorlauf je Kanal
  5. Schritt für Schritt: dein Jahresplan an einem Nachmittag
  6. Budget über das Jahr verteilen
  7. Nicht jede Aktion braucht einen Rabatt
  8. Das Sommerloch gehört auch zum Plan
  9. Nach der Saison: dokumentieren, nicht abhaken
  10. Checkliste für den Jahresplan

Die meisten Shops machen einen großen Teil ihres Jahresumsatzes in wenigen Wochen. Trotzdem beginnt die Planung dafür oft erst, wenn die Nachfrage schon steigt: Landingpage in der Woche vor dem Anlass, Ads-Budget am Tag selbst, Ware knapp. Dieser Leitfaden gibt dir einen Jahreskalender mit allen Anlässen, Vorlaufzeiten und Kanälen, zeigt, wie du die Saison deines eigenen Shops in den Daten findest, und verlinkt die Detailartikel zu Black Friday, Weihnachten, saisonalen Keywords, Google Ads und Auswertung.

Warum ein Jahresplan und kein Aktionismus

Saisonales Marketing scheitert selten an Ideen, sondern an Vorlauf. Vier Dinge brauchen Zeit, die du im Anlass-Monat nicht mehr hast:

  • Suchinteresse beginnt Wochen vor dem Ereignis. Nach Weihnachtsgeschenken wird ab Oktober gesucht, nach Gartenmöbeln ab den ersten warmen Tagen im März.
  • Organische Rankings brauchen Monate. Eine neue Seite, die im November ranken soll, muss im Sommer stehen.
  • Gebotsstrategien in Google Ads lernen. Wer das Budget am Aktionstag verdreifacht und die Strategie wechselt, gibt dem System keine Chance, sich einzustellen.
  • Einkauf und Lager haben Lieferzeiten. Nachbestellen in der Saison ist oft nicht mehr möglich.

Unterscheide drei Ebenen von Anlässen:

  1. Anlässe für alle: Weihnachten, Black Friday, Valentinstag, Muttertag, Ostern. Hohe Nachfrage, hoher Wettbewerb, hohe Klickpreise.
  2. Branchensaisons: Gartenstart, Grillsaison, Schulanfang, Skisaison, Hochzeitssaison, Heizperiode. Weniger Wettbewerb, oft länger und planbarer.
  3. Eigene Anlässe: Shop-Geburtstag, Neuheiten, Kollektionswechsel, Lagerräumung. Du bestimmst den Termin und stehst nicht in der Rabattschlacht.

Der beste Plan kombiniert wenige Anlässe der ersten Ebene mit den Branchensaisons, die zu deinem Sortiment passen, und ein bis zwei eigenen Terminen.

Der Jahreskalender für Online-Shops

Der Kalender nennt Anlass, typische Zielgruppe, Vorlauf für den Start der Vorbereitung und die Kanäle, die dann arbeiten. Feste Termine gelten für Deutschland; Abweichungen für Österreich und die Schweiz stehen dabei. Bewegliche Termine prüfst du jedes Jahr neu.

MonatAnlassFür wenVorbereitung abKanäle
JanuarNeujahrsvorsätze (Fitness, Ernährung, Ordnung), Winterschlussverkauf, Umtausch und GutscheineinlösungSport, Ernährung, Haushalt, alle mit RestbeständenDezemberE-Mail, Ads mit Restbudget, Sale-Seite
FebruarValentinstag (14.2.), Karneval und Fasching (beweglich)Geschenke, Schmuck, Genuss, KostümeAnfang JanuarAds, Shopping mit Aktionen, E-Mail, Geschenkfinder
MärzFrühlingsstart, Garten und Balkon, Weltfrauentag (8.3.), Ostern (beweglich, März oder April)Garten, Wohnen, Mode, GenussJanuar (SEO), Februar (Ads)SEO-Landingpage, Ads, E-Mail
AprilOstern, Fahrrad und Outdoor, FrühjahrsputzSport, Freizeit, Haushalt, KinderFebruarAds, Shopping, Content
MaiMuttertag (DE, AT, CH: zweiter Sonntag im Mai), Vatertag DE (Christi Himmelfahrt), Grill- und HochzeitssaisonGeschenke, Blumen, Genuss, GartenEnde MärzAds, E-Mail, Geschenkfinder
JuniVatertag AT und CH (Juni, Termin je Land), Sommeranfang, Reisezeit, Beginn SommerschlussverkaufReise, Outdoor, ModeAprilAds, E-Mail, Sale-Seite
JuliSommerloch, Ferienbeginn je Bundesland, Aktionstage großer Marktplätze (Termin variiert)Alle, besonders Shops mit Nachfrage-TiefMaiContent, Bestandskunden, Vorbereitung Q4
AugustSchulanfang (je Region August oder September), Spätsommer, erste HerbstwareKinder, Schreibwaren, ModeJuniSEO, Ads, E-Mail
SeptemberHerbststart, Vorbereitung des vierten Quartals, Weihnachtsplanung beginntAlleJetztEinkauf, Landingpages, Content für Q4
OktoberHalloween (31.10.), Herbstferien, Vorbereitung Black Friday, erste WeihnachtskäuferDeko, Kostüme, GeschenkeAugustSEO-Seiten live, Ads-Struktur, Feed-Prüfung
NovemberSingles Day (11.11.), Black Friday (2026: 27.11.), Cyber Monday (2026: 30.11.), erster Advent (2026: 29.11.), AdventskalenderAlleSeptemberAlle Kanäle, Budget-Höhepunkt
DezemberNikolaus (6.12.), Weihnachten, Versandschluss, Gutscheine für Spätentschlossene, Tage zwischen den Jahren, SilvesterAlleOktoberE-Mail, Ads bis Versandschluss, digitale Gutscheine danach

Nicht jeder Anlass passt zu jedem Shop. Ein Shop für Werkzeug braucht keinen Valentinstag, ein Shop für Papeterie keinen Grillsaison-Start. Die zwei Detailartikel zu den größten Anlässen: Black Friday im kleinen Shop mit dem Acht-Wochen-Plan und Weihnachtsgeschäft planen mit dem Monatsplan von September bis Januar.

So findest du die Saison deines eigenen Shops

Der allgemeine Kalender ist der Rahmen. Deine eigene Kurve steht in deinen Daten.

1. Umsatz je Kalenderwoche. Exportiere den Umsatz der letzten ein bis zwei Jahre je Woche aus deinem Shopsystem oder aus GA4 unter Berichte, Monetarisierung. Lege die Jahre nebeneinander. Wochen deutlich über dem Jahresdurchschnitt sind deine Saison, Wochen deutlich darunter dein Sommerloch, egal in welchem Monat es liegt.

2. Nachfrage vor dem Umsatz. In der Search Console siehst du je Suchanfrage die Impressionen über bis zu 16 Monate. Impressionen steigen meist Wochen vor dem Umsatz, das ist dein Startsignal für Anzeigen und Inhalte. Google Trends zeigt dir die Kurve für Begriffe, für die du noch nicht rankst. Die Methode dazu steht unter Saisonale Keywords finden.

3. Produktebene. Nicht der Shop hat eine Saison, die Produkte haben eine. Ein Produktbericht nach Monat zeigt, welche Kategorien wann laufen. Daraus ergibt sich, welche Landingpages und Anzeigengruppen du wann brauchst.

4. Vorjahr richtig lesen. Bewegliche Termine, Wochentage und Einmaleffekte verschieben Wochen. Vergleiche Aktionswoche mit Aktionswoche, nicht Kalenderwoche 47 mit Kalenderwoche 47.

Wenn du ein Dashboard wie ecomando nutzt, liegt der Vergleich zur Vorperiode und zum Vorjahr bereits in der Übersicht; der Wochenbericht erinnert dich, wenn eine Kurve früher steigt als geplant.

Vorlauf je Kanal

Die Vorbereitungszeit ist nicht pro Anlass gleich, sondern pro Kanal. Diese Tabelle gilt für jeden Anlass im Kalender.

KanalVorlauf vor dem HöhepunktWas passiert
Einkauf und Lager2 bis 4 MonateBestellmengen aus Vorjahresdaten, Lieferzeiten der Lieferanten, Puffer
SEO-Landingpage3 bis 6 MonateSeite anlegen oder aktualisieren, intern verlinken, Inhalte ergänzen
Content (Ratgeber, Geschenkideen)2 bis 3 MonateSchreiben, veröffentlichen, indexieren lassen
Google Ads2 bis 4 WochenKampagnenstruktur stehen, Budget schrittweise hoch, Anzeigen mit Saisonbezug
Google Shopping und Merchant Center1 bis 2 WochenFeed prüfen, Aktionen anlegen und prüfen lassen, Aktionspreise mit Zeitraum
E-Mail1 bis 2 WochenAnkündigung, Start, Erinnerung am letzten Tag
Social Media und Meta Ads2 bis 3 WochenKreative produzieren, Zielgruppen aufbauen, Frequenz planen
Technik und Checkout2 bis 3 WochenLasttest, Gutscheincodes, Zahlungsarten, Ladezeit

Der Vorlauf für Google Ads verdient einen eigenen Blick: Budget, Gebote und die Saisonalitätsanpassung für kurze Spitzen funktionieren nur, wenn Tracking und Struktur vorher stehen. Wie du Budget und Gebote um einen Anlass herum steuerst, ohne die Gebotsstrategie aus dem Tritt zu bringen, steht unter Saisonale Anpassungen in Google Ads.

Schritt für Schritt: dein Jahresplan an einem Nachmittag

  1. Vorjahr auswerten. Umsatz je Woche, Top-Produkte je Monat, Werbekosten je Monat. Eine Tabelle, zwölf Zeilen.
  2. Anlässe auswählen. Sechs bis zehn pro Jahr, nicht alle aus dem Kalender. Kriterium: Passt das Sortiment, und gab es im Vorjahr Nachfrage?
  3. Je Anlass fünf Felder ausfüllen: Ziel (Umsatz, Neukunden, Lagerabbau), Angebot (Rabatt, Bundle, Service, Content), Budget, Verantwortlicher, Höhepunkt-Datum.
  4. Rückwärts terminieren. Vom Höhepunkt aus die Vorlaufzeiten je Kanal abziehen. Die frühesten Termine sind Einkauf und SEO, die kommen in den Kalender mit Erinnerung.
  5. Dauerhafte Bausteine anlegen. Landingpages, Geschenkfinder, Ratgeber, die jedes Jahr wiederkommen. Einmal bauen, jährlich aktualisieren.
  6. Ruhephasen einplanen. Zwischen zwei Aktionen mindestens zwei bis drei Wochen ohne Rabatt, sonst stumpft die Liste ab.
  7. Auswertung einplanen. Zwei Wochen nach jedem Anlass ein fester Termin: Was lief, was nicht, was ändern wir. Wie das aussieht, steht unter Kampagne auswerten und dokumentieren.

Budget über das Jahr verteilen

Ein gleichmäßiges Monatsbudget ist bei saisonalen Shops fast immer falsch. In der Nebensaison verbrennt es Geld für Klicks ohne Kaufabsicht, in der Hauptsaison bremst es die Kampagnen aus.

Ein Vorgehen, das funktioniert: Verteile das Jahresbudget im Verhältnis der Vorjahresumsätze je Monat, dann korrigiere nach oben, wo der Wettbewerb die Klickpreise treibt (November, Dezember), und nach unten, wo du organisch stark bist. Beispiel: Ein Shop mit 24.000 Euro Jahresbudget und 30 Prozent Umsatzanteil im November und Dezember gibt in diesen zwei Monaten etwa 7.000 bis 8.000 Euro aus und im Juli und August zusammen vielleicht 2.000. Das ist ein Rechenbeispiel, keine Empfehlung für deinen Shop; den Rechenweg vom Deckungsbeitrag zum Budget zeigt Werbebudget für den Online-Shop planen.

Zwei Regeln aus Google Ads, die du für die Planung brauchst: Das Tagesbudget kann an einzelnen Tagen bis zum Doppelten ausgegeben werden, im Monat aber höchstens Tagesbudget mal 30,4. Und Budgeterhöhungen wirken am besten in Schritten über mehrere Tage, nicht als Sprung am Aktionstag.

Nicht jede Aktion braucht einen Rabatt

Der Kalender verleitet dazu, zu jedem Termin einen Prozentsatz zu erfinden. Das kostet Marge und erzieht Kunden zum Warten. Angebote ohne Preisnachlass, die zu saisonalen Anlässen funktionieren:

  • Geschenkfinder nach Empfänger, Preisklasse und Interesse, als eigene Seite, die jedes Jahr wieder rankt.
  • Bundles aus Hauptprodukt und Zubehör zum fairen Gesamtpreis, mit höherem Bestellwert statt niedrigerer Marge.
  • Gratisversand ab Bestellwert befristet, oft günstiger als ein Rabatt in gleicher Höhe.
  • Lieferversprechen mit klarem Versandschluss, vor Weihnachten oft das stärkste Argument.
  • Verlängerte Rückgabefrist für Geschenke bis Mitte Januar.
  • Inhalte: Anleitungen, Pflegetipps, Checklisten zur Saison, die Suchende früh abholen.
  • Frühzugang für Newsletter-Abonnenten, der Anmeldungen bringt und die Liste belohnt.

Rabatte behältst du für das, wofür sie gemacht sind: Restbestände, Vorjahresware und Produkte, die die Saison nicht überstehen sollen.

Das Sommerloch gehört auch zum Plan

Die schwachen Wochen sind kein Betriebsunfall, sondern planbar. Wer sie kennt, nutzt sie für Dinge, die in der Hauptsaison liegen bleiben: Landingpages für Q4 bauen, Produkttexte überarbeiten, Feed bereinigen, Fotos machen, Ladenhüter abbauen, Lieferanten verhandeln. Wie du eine Flaute erkennst, von einem echten Problem unterscheidest und nutzt, steht unter Sommerloch im Online-Shop.

Nach der Saison: dokumentieren, nicht abhaken

Der wertvollste Teil des Jahresplans entsteht nach dem Anlass. Halte je Aktion fest:

  • Umsatz, Bestellungen, Deckungsbeitrag im Aktionszeitraum gegen Vergleichszeitraum
  • Werbekosten je Kanal und die Kosten-Umsatz-Relation
  • Was ausverkauft war und was liegen blieb
  • Wann die Nachfrage begann und wann sie endete (Impressionen und Sitzungen je Tag)
  • Was technisch oder organisatorisch schiefging
  • Drei Entscheidungen für das nächste Jahr

Diese Notizen sind im nächsten Jahr mehr wert als jeder allgemeine Kalender, weil sie deine Kurve zeigen, nicht die des Marktes.

Checkliste für den Jahresplan

  • Umsatz je Woche aus dem Vorjahr ausgewertet, Hoch- und Tiefphasen markiert
  • Sechs bis zehn Anlässe ausgewählt, die zum Sortiment passen
  • Je Anlass Ziel, Angebot, Budget, Verantwortlicher und Termin festgelegt
  • Vorlaufzeiten je Kanal rückwärts in den Kalender eingetragen
  • Saisonale Landingpages mit dauerhafter URL angelegt oder aktualisiert
  • Suchanfragen mit Saisonverlauf identifiziert und Inhalte dafür geplant
  • Jahresbudget nach Saison verteilt, nicht gleichmäßig
  • Angebote ohne Rabatt vorbereitet, Rabatte für Restbestände reserviert
  • Einkauf und Lager mit Lieferzeiten abgestimmt
  • Sommerloch mit Vorbereitungsaufgaben belegt
  • Auswertungstermin nach jedem Anlass im Kalender

Häufige Fragen

Welche saisonalen Anlässe sind für Online-Shops am wichtigsten?

Für fast alle Shops das vierte Quartal mit Black Friday, Cyber Monday und Weihnachten. Danach folgen Geschenkanlässe wie Valentinstag, Muttertag und Ostern sowie branchenspezifische Saisons wie Gartenstart, Schulanfang oder Skisaison. Welche Anlässe für dich zählen, zeigt dir der Umsatz je Woche aus dem Vorjahr.

Wie viel Vorlauf braucht saisonales Marketing?

Je nach Kanal sehr unterschiedlich. Eine Landingpage, die organisch ranken soll, braucht drei bis sechs Monate. Google-Ads-Budget erhöhst du zwei bis vier Wochen vor dem Höhepunkt. E-Mails kündigst du ein bis zwei Wochen vorher an. Einkauf und Lager brauchen je nach Lieferant zwei bis vier Monate.

Muss jede saisonale Aktion einen Rabatt haben?

Nein. Geschenkfinder, Bundles, Gratisversand ab einem Bestellwert, eine verlängerte Rückgabefrist oder ein garantierter Liefertermin sind Angebote ohne Preisnachlass. Rabatte sind sinnvoll für Restbestände und Vorjahresware, nicht als Standardreaktion auf jeden Kalendereintrag.

Wie finde ich heraus, welche Saison mein Shop hat?

Lege den Umsatz je Kalenderwoche aus den letzten ein bis zwei Jahren nebeneinander und markiere die Wochen deutlich über und unter dem Durchschnitt. Ergänze die Impressionen deiner wichtigsten Suchanfragen aus der Search Console und die Kurve in Google Trends. So siehst du Nachfrage-Spitzen und wann sie beginnen.

Soll ich saisonale Landingpages nach der Saison löschen?

Nein. Behalte die URL, aktualisiere den Inhalt jedes Jahr und verlinke die Seite in der Nebensaison weniger prominent. Eine Seite, die jedes Jahr neu angelegt wird, fängt bei Google jedes Jahr bei null an.

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